Dass man mit dem Wechsel des Strom- und Gasanbieters eine Menge Geld sparen kann, hat sich erfahrungsgemäß noch nicht überall herumgesprochen. Dabei ist der Anbieterwechsel ganz einfach und – anders als mancher denkt – nicht mit dem Risiko von Versorgungslücken verbunden. Als passionierter Schnäppchenjäger solltest Du Dich also auch hier auf die Suche nach den günstigsten Preisen machen. Das Wichtigste, was Du dafür wissen solltest, haben wir hier für Dich zusammengefasst.

Kann ich den Anbieter überhaupt wechseln?
Den Strom- und/oder Gasanbieter kann naturgemäß nur wechseln, wer einen eigenen Vertrag mit einem Versorger hat. Wenn Du zur Miete wohnst, kann es sein, dass z. B. die Kosten für Heizung und Warmwasser über die Hausverwaltung abgerechnet werden. In diesem Fall kannst Du nicht selbst entscheiden, wer Dich beliefert. Dass Du selbst für den Vertragsschluss mit einem Versorger verantwortlich bist, erkennst Du meist daran, dass Du einen eigenen Strom- bzw. Gaszähler in der Wohnung oder z. B. im Treppenhaus oder im Keller hast und Rechnungen für verbrauchte Energie direkt vom Versorger bekommst und nicht etwa vom Vermieter oder einem von diesem beauftragten Unternehmen.

Was passiert, wenn der Wechsel nicht klappt?
Licht aus? Heizung kalt? Die gute Nachricht gleich vorneweg: In keinem Fall kann es passieren, dass Du durch einen Wechsel des Anbieters am Ende ohne Strom oder Gas dastehst. Da es beim Wechsel des Telekommunikationsanbieters schlimmstenfalls durchaus vorkommen kann, dass Du ein paar Wochen ohne Festnetzanschluss oder DSL dastehst, denken viele, bei Strom und Gas sei es genauso. Das ist aber mitnichten so. Strom und Gas können Dir ausschließlich dann abgedreht werden, wenn Du Deinen Verpflichtungen nicht nachkommst – also Deine Rechnungen nicht bezahlst. Sollte beim Anbieterwechsel mal was schief gehen, wirst Du ganz automatisch für den zu überbrückenden Zeitraum Kunde des örtlichen Grundversorgers.

Wo finde ich günstige Anbieter?
Günstige Anbieter findest Du mit Hilfe eines Vergleichsrechners im Internet, z. B. auf den Seiten unserer Kollegen von Haus-Heimwerker.de. In den Vergleichsrechner musst Du Deine Postleitzahl und den Jahresverbrauch eingeben. Die Postleitzahl wird benötigt, um lokale Anbieter in den Vergleich einzubeziehen bzw. die Anbieter auszuschließen, die in Deiner Region keine Leistungen anbieten. Deinen Jahresverbrauch – jeweils in Kilowattstunden (kWh) – findest Du auf Deiner letzten Strom- bzw. Gas-Jahresabrechnung.

Tarifmodelle: Kaution und Vorkasse
Besonders hohes Sparpotenzial versprechen Tarife mit Kautionszahlungen oder Vorkasse. Die Kaution wird bei Vertragsschluss gezahlt und bei Beendigung des Vertragsverhältnisses erstattet. Der Preis für die verbrauchte Energiemenge ist dafür niedriger. Gleiches gilt bei der Option Vorkasse. Statt monatlicher Abschlagszahlungen wird dabei quasi nur ein einziger Abschlag entrichtet in der Höhe der voraussichtlich zu erwartenden Verbrauchskosten. Am Ende des Jahres wird dann anhand des Zählerstands berechnet, ob Du als Kunde noch etwas nachzahlen musst oder Dir eine Rückzahlung zusteht. Tarife mit Kaution und Vorkasse sind mit einem gewissen Risiko verbunden. Verbraucherschützer warnen deshalb vor dem Abschluss solcher Verträge. Der einleuchtende Grund: Bei einer Insolvenz des Versorgers während der Vertragslaufzeit sind finanzielle Vorleistungen mit großer Wahrscheinlichkeit verloren. Jüngstes Beispiel für einen solchen Fall, bei dem zahlreiche Kunden finanziellen Schaden erlitten haben, ist die Pleite des Anbieters Teldafax. Andererseits haben in den Jahren davor aber zahlreiche Kunden von den günstigen Tarifen des Unternehmens profitiert und einiges an Geld gespart. Versorgungsverträge mit Vorkasse und Kaution sind also in gewisser Weise was für Zocker, die das Risiko nicht scheuen. Verträge mit Kautionszahlungen, die früher von Teldafax im großen Stil angeboten wurden, sind seit der Pleite des Anbieters jedoch ohnehin kaum noch auf dem Markt zu finden.

Tarifmodelle: Paket, Minder- und Mehrverbrauchsregelungen
Beim Paketmodell zahlst Du für eine festgelegte Energiemenge. Hast Du am Ende des Jahres weniger Kilowattstunden verbraucht, als Dein Paket umfasst, bekommst Du keine Erstattung. Dafür ist der Preis pro Kilowattstunde im Paket günstiger als bei den normalen Tarifen. Der Anbieter belohnt damit sozusagen die Planungssicherheit, die er durch das Paketmodell hat. Er kann mit festen Einnahmen rechnen, auch wenn Du am Ende weniger verbraucht hast. Knifflig wird’s, wenn Dein Verbrauch am Ende des Jahres wider Erwarten doch höher ist. Der dann zusätzlich berechnete Preis für Kilowattstunden, die über das Paket hinaus verbraucht wurden, ist nämlich recht ungünstig. Wenn Du Glück hast übersteigt er aber nicht die durch den Pakettarif eingesparte Summe.
Minder- und Mehrverbrauchsregelungen im Vertrag legen fest, dass der Preis pro Kilowattstunde höher liegt, je mehr Dein Verbrauch vom zuvor geschätzten Jahresverbrauch abweicht. Paketmodelle sowie Verträge mit Minder- und Mehrverbrauchsregelungen sind daher nur für Haushalte mit über die Jahre relativ konstantem Verbrauch geeignet. Zu Schwankungen kann es z. B. kommen, wenn in einem Jahr weniger oder mehr Personen als zuvor im Haushalt wohnen oder wenn Du zusätzliche Elektrogeräte anschaffst oder stromfressende alte Geräte durch moderne mit deutlich geringerem Verbrauch ersetzt.

Tarifmodelle: Laufzeiten und Preisgarantie
Bei den Vertragslaufzeiten gilt grundsätzlich, dass die Tarife umso günstiger sind, je länger Du Dich vertraglich bindest. Das Risiko bei einer langfristigen Bindung an einen Versorger besteht darin, dass Du bei sinkenden Preisen auf dem Energiemarkt nicht einfach zu einem anderen, preiswerteren Anbieter wechseln kannst. Die Entwicklung der Energiekosten kannte in den vergangenen Jahren, wenn man vom einmaligen Einbruch des Ölpreises im Zusammenhang mit der Finanzkrise absieht, aber eigentlich nur eine Richtung. Verträge mit einer Laufzeit von einem Jahr sind daher recht beliebt – zumal in Verbindung mit einer Preisgarantie. Diese Garantie verspricht, meist über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg, gleich bleibende Preise. Will bzw. muss der Anbieter dennoch die Preise erhöhen, so wird Dir in der Regel ein Sonderkündigungsrecht gewährt, sodass Du in diesem Fall aus dem laufenden Vertrag aussteigen kannst, um zu einem günstigeren Versorger zu wechseln.

Boni für Neukunden
Viele Strom- und Gasanbieter locken mit Bonuszahlungen, die Neukunden nach dem ersten Vertragsjahr gewährt werden. In der Regel handelt es sich bei dem Bonus um eine festgelegte Geldsumme, die bei Erstellung der Abrechnung abgezogen wird. Einige Anbieter gewähren aber auch prozentual oder in Kilowattstunden berechnete Boni. Wer maximal sparen will, sollte ohnehin jedes Jahr neu prüfen, ob der gewählte Anbieter noch preiswert ist, oder man sich lieber nach etwas anderem umsehen sollte. Von diesem Standpunkt aus betrachtet ist es dann auch äußerst sinnvoll, den zu erwartenden Bonus in die Entscheidung für oder gegen einen Tarif mit einzubeziehen. Am günstigsten fährst Du dann, wenn Du einmal im Jahr den Anbieter wechselst und so immer wieder in den Genuss von Neukundenboni kommst. Dies ist natürlich nur möglich, solange noch entsprechende Anbieter zu finden sind, bei denen Du bislang noch nicht Kunde warst.

Fazit:
Wer bei Strom und Gas richtig sparen will, sollte mindestens einmal im Jahr überprüfen, ob der gewählte Versorger noch günstig ist, oder ob bessere Angebote auf dem Markt verfügbar sind. So spricht auch nichts dagegen einen möglichen Neukundenbonus bei der Entscheidung für einen neuen Anbieter zu berücksichtigen. Mit einem solchen “Anbieter-Hopping” kannst Du die Energiekosten Deines Haushaltes auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau halten. Tarife mit Kaution und Vorkasse, bei denen Du noch mehr sparen kannst, bergen gewisse Gefahren und sind deshalb nur was für äußerst risikofreudige Schnäppchenjäger!

Bildquellenachweis: © Andreas Morlok / PIXELIO